Informationen und Fehlinformationen
Von den Teilnehmern der Newsgroup alt.comp.virus.
(Diese Sicherheitsseiten sind das Ergebnis einer fortwährenden Zusammenarbeit.)
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Ein Beitrag von: Frederic Bonroy
(unter Mitwirkung von: Clay)
Damit Sie sich vor schädlichen Programmen schützen können,
sollten Sie sich informieren. Das Internet ist eine gewaltige
Informationsquelle - allerdings gibt es dort nicht nur gute Ratschläge,
und nicht jeder schlechte Rat ist auf den ersten Blick als solcher
erkennbar.
1. Das "Falsche-Autoritäten-Syndrom"
Glabuen Sie nicht
alles. Einige Leute reden oder schreiben über Viren als seien sie Experten auf diesem Gebiet, tatsächlich sind sie es aber oft nicht.
1.1 Webseiten
Wenn Sie das Internet nach
Antivirus-Informationen durchsuchen, werden Sie tausende von Seiten
finden. Offensichtlich geben nicht alle von ihnen auch akkurat
Auskunft. Wahrscheinlich ist es für einen Neueinsteiger auf diesem
Gebiet nicht einfach, die korrekten von den inkorrekten Informationen
zu treffen. Es gibt keine zufriedenstellende Lösung für dieses Problem
- aber wir haben Sie gewarnt.
Manchmal kann der Gesamteindruck
einer Seite Ihnen helfen zu entscheiden, ob der Autor vertrauenswürdig
ist. Beispielsweise würde ich keiner Seite trauen, die vor
Rechtschreibfehlern oder Kraftausdrücken nur so strotzt; und die
Tatsache, daß eine bestimmte Seite verlangt, daß JavaScript und/oder
Java aktiviert sind, um korrekt angezeigt zu werden, deutet auch eher
nicht darauf hin, daß der Autor sich Gedanken über Ihre Sicherheit
macht.
Falls Sie über die Zuverlässigkeit eines Ratschlags im
Zweifel sind, befolgen Sie ihn nicht. Wenn Sie die Internetauftritte
von Antivirenherstellern besuchen, sollten Sie auf der sicheren Seite
sein. Die folgenden sind besonders empfehlenswert:
http://www.sophos.com/virusinfo/analyses
http://vil.nai.com
http://www.viruslist.com
1.2 Rechnerexperten
Sogar jemand, der berufsmäßig mit
Rechnern arbeitet, ist nicht notwendigerweise im Umgang mit Viren
qualifiziert. Ein Programmierer oder Rechnerverkäufer zu sein
macht aus einem Menschen mit Sicherheit noch keinen Experten für Viren
(noch nicht einmal die Fähigkeit, ein Antivirenprogramm zu
konfigurieren oder benutzen, tut dies).
Dies bedeutet natürlich nicht, daß Programmierer oder
Verkäufer völlig ahnungslos sind - es heißt lediglich, daß Sie nicht
unbedingt jemandem trauen sollten, nur weil er zufälligerweise mit
Computern zu tun hat. Sie gehen ja auch nicht zu einem Neurologen, wenn
Sie eine Erkältung haben, oder?
Ein sehr interessanter Artikel zum Thema "Falsches-Autoritäten-Syndrom" findet sich auf http://www.vmyths.com/fas/fas1.cfm
1.3. Freunde
Freunde können ebenfalls eine Quelle von
irreführenden Informationen sein. Dies ist bedauerlich, da Sie
wahrscheinlich dazu tendieren zu glauben, was Ihre Freunde Ihnen
erzählen ohne großartig darüber nachzudenken. Nichtsdestoweniger
beinhaltet der Glaube an Ihre Freunde nicht nur Vertrauen, sondern auch
Wissen. Prüft Ihr Freund Dateien auf Viren, bevore er sie öffnet oder
an jemand anderen weiterleitet? Hat er überhaupt irgendwelche
Erfahrungen mit Viren? Kann er eine Falschmeldung von echten
Virenwarnungen unterscheiden?
1.4. Sie!
Geben Sie keine Ratschläge solange Sie nicht
wissen, ob es sich um gute Ratschläge handelt. Das ist wichtig.
Es ist löblich, daß Sie versuchen, hilfreich zu sein, aber behalten Sie
immer im Hinterkopf, daß ein falscher Rat mehr Schaden anrichten kann
als ein schädliches Programm.
2. Inkompetente Besprechungen von Antivirusprodukten
Oft
genug werden Sie Personen oder Computermagazinen begegnen, die ihre
eigenen Rezensionen oder Vergleichstests von Antivirusprogrammen
durchführen. In den meisten Fällen sind die Ergebnisse dieser
Besprechnungen allerdings aus den mehreren Gründen ungenau:
- Die Tester setzen
zu starke Akzente auf relativ unwichtige Aspekte der einzelnen
Produkte, wie beispielsweise die Benutzerschnittstelle etc.
- Die Tester verwenden nicht die aktuellsten Versionen der einzelnen Produkte.
- Die Tester haben die Produkte nicht ordentlich konfiguriert.
- Die Tester haben nicht geprüft, ob die verwendeten "Viren" tatsächlich Viren sind.
- Die Tester benutzen eine viel zu kleine Auswahl an Proben, so daß die Ergebnisse nicht repräsentativ sind.
- Die Tester legen ihre Testmethoden nicht präzise offen.
Grundsätzlich ist eine
Rezension, die auf dem Herunterladen einiger vermeintlicher Virenproben
von dubiosen Internetseiten, dem Ansetzen der Scanner auf diese Proben
und dem Zählen der gemeldeten Viren basiert, ziemlich wertlos.
Quellen für seriöse und kompetente Berichte können Sie auf der Antivirus-Produktseite
einsehen. Wenn Sie das nächste Mal einen Antivirusbericht in einem
Computermagazin sehen, blättern Sie darüber hinweg. (Denken Sie nicht,
daß es komisch ist, daß Norton Antivirus so oft in diesen Tests
gewinnt, obwohl seine Erkennungsraten durchaus etwas unter denen
besserer Scanner liegen?)
Eine zusätzliche Anmerkung: Sie
sollten die Anzahl an Viren, die ein beliebiges Antivirusprodukt zu
erkennen behauptet, ignorieren. Diese Zahl hilft vielleicht
sicherzustellen, daß Ihr Antivirusprodukt aktuell ist, aber sie verrät
überhaupt gar nichts über seine Erkennungsfähigkeiten.
Diese Zahlen sind auch nicht zum Vergleich verschiedener Produkte
geeignet, da die jeweiligen Hersteller wahrscheinlich Viren ganz anders
zählen.
3. Falschmeldungen
Eine Falschmeldung ist im allgemeinen
eine Nachricht, die Sie vor einer neuen und unglaublich zerstörerischen
Bedrohung warnt und Sie auffordert, ebenjene Warnung an alle Ihre
Bekannten weiterzuleiten. Falschmeldungen sind durch eines oder mehrere
der folgenden charakteristischen Merkmale einfach zu erkennen:
- Die Nachricht behauptet, der neue Virus sei von einer großen Firma, wie AOL, IBM oder Microsoft entdeckt worden.
- Die Nachricht behauptet, der neue Virus könne von keinem Virenscanner gefunden werden.
- Die Nachricht behauptet, der neue Virus sei außergewöhnlich zerstörerisch.
- Die Nachricht fordert Sie auf, sie an alle Ihre Bekannten weiterzuleiten.
Sie können Virenwarnungen
getrost ignorieren, sofern Sie kein seriöses Virenrundschreiben
abonniert haben. AOL, IBM oder Microsoft versenden mit Sicherheit KEINE
Virenwarnungen per E-Mail, und unerkennbare Viren existieren nicht.
(Manchmal mag einem Virenscanner ein Virus entrinnen, aber kein Virus
ist wirklich unentdeckbar!) Und bitte leiten Sie diese Nachricht auf
keinen Fall an irgendjemanden weiter, unabhängig davon, wie echt,
sorgfältig und ehrlich sie sich anhören mag. Falls Sie im Zweifel sind,
sehen Sie zunächst hier nach:
http://www.vmyths.com.
Der einzige gute Aspekt einer Falschmeldung ist die indirekte Warnung davor, Dateien zu öffnen, die Sie per E-Mail erhalten.
Andere hilfreiche Seiten:
E-Mail-Virenfalschmeldungen
Sophos E-Mail-Benachrichtigungsdienst
Sophos' Seite für Falschmeldungen und Angstmacher
4. Format und FDisk
Format und FDisk werden bei
Vireninfektionen oft als Radikalkur empfohlen.
Format ist niemals notwendig (oder zumindest wirklich äußert selten)
und kann mehr Schaden anrichten als der Virus, den Sie gerade loswerden
möchten.
FDisk kann sehr nützlich sein, um Viren zu entfernen, aber Sie müssen
dazu präzise
wissen, um welchen Virus es sich handelt; ansonsten droht Ihnen
Datenverlust.
Ein Antivirenprogramm und/oder eine manuelle Reinigungsanleitung werden
Ihnen in aller Regel helfen, den Virus schnell und einfach loszuwerden.
Sagen Sie einfach "Nein" zu Format und FDisk!
5. Die Medien
Wann immer ein neuer Virenausbruch
stattfindet, berichten die Medien oft ungenau darüber. Ob diese
Ungenauigkeit nun das Ergebnis von Nachlässigkeit oder
Mißverständnissen ist oder lediglich der Einkommenssteigerung durch
Übertreibung dienen soll, ist dabei uninteressant.
Tatsache ist, die "Medien" sind nicht für Virenmeldungen
qualifiziert, solange sie fortfahren, fehlerhafte Berichte abzuliefern.
Darüber hinaus berichten sie oft sehr töricht über Viren, also seien
Sie bitte vorsichtig!
Klicken Sie hier, um einen Artikel von Andrew J. Lee bezüglich Reportagen über Virenscanner in Computerzeitschriften zu lesen.
6. Antivirusprodukte
Sie haben auf Webseiten, Antivirus-Produktverpackungen oder in Magazinen wahrscheinlich
bereits Behauptungen im Stil von "100% Virenerkennung" oder
"vollständiger Schutz" gesehen. Lassen Sie sich dadurch nicht in die
Irre führen, denn kein Antivirenprogramm entdeckt die ganze Zeit alle
Viren. Daraus folgt, daß kein Antivirusprodukt Ihnen garantieren kann,
niemals von einem Virus befallen zu werden.
Es ist nicht so, daß Antivirusprodukte nutzlos sind, aber man sollte sich nicht auf sie verlassen ohne dabei "Safe Hex" zu betreiben.
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Aktualisiert: 22. Januar 2002
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